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Mitteilungen DOI: 10.38023/a3384fd6-0805-4899-ba46-37a05220bdd8

Laudatio Prix SEVAL 2025

Nicole Kaiser
Lilith Wernli

Zitiervorschlag: Nicole Kaiser / Lilith Wernli, Laudatio Prix SEVAL 2025, in: LeGes 36 (2025) 3


[1]

Der Prix SEVAL würdigt dieses Jahr die an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern eingereichte Dissertation von Dr. Jonas Schmid mit dem Titel «Decentralization and Wind Energy Permitting: An Evaluation of Implementation Effectiveness in Switzerland and Europe». Sie ist als Beitrag im Band 20 von «Politik und Demokratie in den kleineren Ländern Europas im Nomos Verlag erschienen».

[2]

Unter den eingereichten Arbeiten überzeugte die Dissertation die Jury am meisten, da sie ein sehr interessantes und aktuelles Thema aufgreift, die erste systematische Analyse zu den Auswirkungen der Dezentralisierung auf Windenergie-Projekte in der Schweiz vorlegt und durch eine fundierte Vorgehensweise besticht. Besonders hervorzuheben ist die umfassende empirische Basis, die sämtliche Windenergieprojekte in der Schweiz zwischen 1998 und 2022 einbezieht und damit einen bislang einzigartigen Datensatz bereitstellt.

[3]

Jonas Schmid ist in seiner Dissertation einer zweigeteilten Fragestellung nachgegangen, wobei die beiden Fragen analytisch einen Ablauf bilden: Wie wirkt sich die Dezentralisierung auf die Umsetzungsstrukturen (implementation arrangements) von Genehmigungsverfahren für Windenergie in der Schweiz aus, und wie beeinflussen diese Umsetzungsstrukturen die Problemlösungsfähigkeit (problem-solving effectiveness) öffentlicher Entscheidungsprozesse? Die Frage entwickelte sich aus der Feststellung heraus, dass die im europäischen Vergleich hohe Gemeindeautonomie und das lange und komplizierte Bewilligungsverfahren entscheidende Erklärungsfaktoren dafür sein könnten, weshalb die Schweiz im europäischen Vergleich hinsichtlich Windenergie-Projekten weit zurückliegt. Denn andere zentrale territoriale und ökonomische Faktoren vermögen diese Unterschiede nicht zu erklären. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Untersuchung der politischen, institutionellen und sozialen Dynamiken innerhalb föderaler Entscheidungssysteme besondere Bedeutung.

[4]

Die Dissertation von Jonas Schmid ist umfassend in der Theorie des akteurzentrierten Institutionalismus nach Mayntz und Scharpf (1995; 1997) verankert, wobei die zentralen Konzepte (Dezentralisierung, Umsetzungsstrukturen und Problemlösungsfähigkeit) literaturbasiert und spezifisch für den Schweizer Kontext weiterentwickelt wurden. Die Arbeit kombiniert qualitative und quantitative Methoden, darunter über 40 Expert:inneninterviews in der Schweiz und Europa und umfassende Umfragen zu 78 Windenergieprojekten in der Schweiz. Hinzu kommen eine Expert:innenbefragung in 20 europäischen Ländern, vergleichende Analysen von Genehmigungsverfahren in 19 europäischen Ländern, Netzwerkanalysen zu 30 fortgeschrittenen Projekten sowie umfassende institutionelle Kontextdaten, die eine methodische Breite gewährleisten.

[5]

Die systematische Weiterentwicklung der Theorie, die empirische Erhebung zu sämtlichen Windenergieprojekten in der Schweiz sowie die multimethodische Analyse zur Sicherstellung unterschiedlicher Perspektiven weisen bereits einen innovativen Charakter auf. Ein weiterer innovativer Schritt hätte darin bestehen können, den Fokus über Windenergieprojekte hinaus zu öffnen und die Analysen auch auf Bewilligungsverfahren in anderen Politikbereichen, z.B. Raumplanung, Infrastrukturprojekte oder Gesundheit auszuweiten, da diese ähnliche institutionelle Herausforderungen aufweisen.

[6]

Die Dissertation weist auch eine hohe Praxisrelevanz auf. Das Thema der Bewilligungsverfahren ist sehr aktuell bei Windenergie-Projekten sowie bei anderen Projekten, die ein Bewilligungsverfahren bedingen. Seine Erkenntnisse zeigen auf, wie politische Strukturen, politische Akteure und Politikergebnisse zusammenhängen. Zudem weist er die Forschungsgemeinschaft darauf hin, dass in der föderalen Schweiz ein stärkerer Fokus auf die kantonale und kommunale Ebene nicht nur der Forschung zugutekäme, sondern auch zu effizienteren und wirkungsvolleren Politikergebnissen beitragen würde. Besonders relevant sind seine Empfehlungen zur Förderung von Fairness und Transparenz zur Reduktion verfahrensbedingter Blockaden sowie der Vorschlag unverbindlicher Multi-Options-Abstimmungen, die lokale Präferenzen sichtbar machen, ohne den Entscheidungsprozess zusätzlich zu verkomplizieren. Für die Evaluationspraxis bietet die Arbeit zudem einen Rahmen, der institutionelle, politische und kontextbezogene Faktoren integriert und davor warnt, komplexe Systeme auf einzelne Indikatoren zu reduzieren.

[7]

Die Dissertation von Jonas Schmid hat die Jury in allen Bewertungskriterien überzeugt; die Jury erachtet das Werk zudem auch relevant für die Politikanalyse in der Schweiz. Mit Blick auf das Ziel des Prix SEVAL, zur Weiterentwicklung von Theorie und Praxis der Evaluation beizutragen, hat die Jury den Preisträger gebeten, die Dissertationserkenntnisse für andere Politikbereiche, etwa Baubewilligungsverfahren im Umwelt- und Energiebereich sowie für die Evaluationsgemeinschaft aufzubereiten. Diesem Anliegen ist er mit seinem Auftritt am Jahreskongress der SEVAL sowie in seinem LEGES-Artikel (vgl. Schmid 2025, 36) nachgekommen.

[8]

Die Jury des Prix SEVAL gratuliert Jonas Schmid herzlich zum diesjährigen Prix SEVAL!

[9]

Der Prix SEVAL wurde 2012 geschaffen, um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Evaluationen zu fördern. Mit diesem Preis werden Arbeiten ausgezeichnet, die einen Beitrag zur Weiterentwicklung von Theorie und Praxis der Evaluation oder zur Verwendung von Evaluation liefern. Arbeiten können beim SEVAL-Sekretariat eingereicht werden (secretariat@seval.ch), Einsendeschluss ist jeweils der 2. April des laufenden Jahres. Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite der SEVAL:

www.seval.ch/stipendium-prix-seval/prix-seval/


Nicole Kaiser, Bereichsleiterin und Partnerin econcept AG.

Lilith Wernli, BAFU Sektion Ökonomie.

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